Mein Forschungsschwerpunkt: Meditation als Erkenntnisweg

ORCID:
https://orcid.org/0000-0005-6968-779X

Seit über fünfzehn Jahren erforsche ich Meditation als einen Weg, auf dem wir Wissen über uns selbst erlangen können – Wissen, das weit über das gewöhnliche Tagbewusstsein hinausreicht. In der meditativen Praxis entfaltet sich ein Prozess der Selbsterkenntnis, der sowohl rational als auch emotional wirksam ist. Wir werden uns unserer selbst gewahr – und dieses Gewahrsein vertieft sich im Laufe der Praxis zu einem beständigen Gewahrbleiben, das über die formale Meditationszeit hinaus in den Alltag hineinwirkt. Dadurch entwickelt sich eine charakteristische Form von Alltagsachtsamkeit, die nicht nur Präsenz fördert, sondern auch einen metakognitiven Shift – ein Beobachterbewusstsein – aktiviert. Diese Instanz unterstützt persönliche Transformationsprozesse ebenso wie eine bewusste, evolutive Entwicklung in sozialen und gesellschaftlichen Kontexten.

 

Meditationsforschung bedeutet für mich immer auch, Meditation in die Praxis zu bringen: in Beratung von Führungs- und Fachkräften, in Gesundheitsförderung oder Gesundheitsmanagement. Ich forsche, lehre und begleite Menschen, Unternehmen und Institutionen auf der Grundlage meiner mehr als dreißigjährigen eigenen Meditationspraxis – aus Überzeugung und mit vollem Herzen.

Die unmittelbaren körperlichen, emotionalen und geistigen Veränderungen, die ich dabei erfahren habe, waren der Ausgangspunkt eines umfassenden Selbstforschungsprozesses. Daraus entstand mein wissenschaftliches Interesse, die Wirkmechanismen aktiver Meditationen empirisch zu untersuchen – ein Forschungsfeld, das international bislang kaum bearbeitet wird. Genau hier setzt meine wissenschaftliche Arbeit an. Die Dynamische und die Kundalini gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Techniken. Ihre klare phasenorientierte Struktur auf: Aktivierung – Transformation – Stille – Integration erlauben eine präzise Untersuchung der Übergänge zwischen Bewegung und Bewusstsein, zwischen emotionaler Verarbeitung und meditativer Vertiefung.

 

Gleichzeitig sind sie — wie die Religionswissenschaftlerin Henriette Hanky in ihrer Dissertation „Buddhafelder im Wandel. OSHOs Erbe in Deutschland und Skandinavien“ (2025) zeigt — die kulturell und praktisch zentralen Meditationen innerhalb der OSHO-Bewegung. Hanky weist nach, dass Dynamische und Kundalini Meditation „wie in der Anfangszeit der Bewegung in den 1960er Jahren auch in den 2020er Jahren das Tagesgeschehen rahmen“ (Pfeifer, Mitschrift, Vortrag 4.11.2025).

 

Mein Forschungsweg führte von der persönlichen Erfahrung zur empirischen Evidenz. Da es zu aktiven Meditationen zunächst keine Forschung gab, begann ich mit den Methoden, die in der (qualitativen) empirischen Sozialforschung üblich sind: Fragebogenerhebungen, Signifikanztests und Korrelationsanalysen, narrative und teilstrukturierte Interviews, teilnehmende Beobachtung und qualitative Analysen (Grounded Theory). Diese frühen Arbeiten dokumentierten erstmals systematisch die subjektiven Veränderungen für Anfänger*innen und Fortgeschrittene. Im weiteren Verlauf kamen experimentelle Verfahren bei Langzeitmeditierenden hinzu: biometrische Daten (Puls, Blutdruck, Hauwiderstand, Lidschlag) und EEG-Messungen. Diese Daten ermöglichen heute eine integrative Betrachtung von Körper, Emotion, Bewusstsein und inneren Entwicklungsprozessen – und machen sichtbar, wie aktive Meditationen tatsächlich wirken.

 

Meine Studien liefern einen innovativen, bislang fehlenden Beitrag, in dem gezeigt wird, dass aktive Meditationen ein erweitertes Verständnis von Meditation eröffnen:

  • Sie verbinden expressive, körperliche und emotionale Prozesse mit tiefer meditativer Stille.

  • Sie erzeugen messbare Veränderungen im autonomen Nervensystem und in neuronalen Aktivitätsmustern.

  • Sie fördern Selbstregulation, emotionale Integration und Bewusstseinsentwicklung.

  • Sie bieten ein empirisch prüfbares Modell meditativer Transformation.

Die Evaluationsforschung zeigt, dass Meditation und Achtsamkeit im Unternehmenskontext sowohl physiologische Entspannungsprozesse als auch psychologische Kohärenz- und Sinnprozesse fördern. 

  • Humanistische Psychologie (Rogers, Maslow): Selbstaktualisierung und Potenzialentfaltung

  • Körperpsychotherapie (Reich, Lowen): Auflösung von Körperpanzerungen, Aktivierung vegetativer Energieflüsse

  • Neurobiologie und Achtsamkeitsforschung (Hüther, Davidson, Lutz): neuronale Plastizität und Selbstregulation

  • Indische Bewusstseinslehre: Chakrenaktivierung, Integration von Körper, Emotion und Bewusstsein

Die Projekte können als Pionierarbeit in der achtsamkeitsfokussierten betrieblichen Gesundheitsförderung gelten. Sie zeigen, dass Meditation und Achtsamkeit nicht nur individuelle Entlastung, sondern strukturelle Gesundheitsentwicklung ermöglichen. Durch den Einbezug von Meditation und Körperbewusstsein in Unternehmen können Burnout-Prozesse frühzeitig erkannt, emotionale Ressourcen aktiviert und Organisationskulturen nachhaltig verändert werden.